Auswirkungen der GAP

...auf die Umwelt

Durch die Intensivierung und Industrialisierung der Landwirtschaft gehen immer mehr Lebensräume wie Feuchtgebiete, Waldweiden, artenreiche Wiesen u.a. verloren. Die Folge ist ein dramatischer Artenverlust bei Tieren und Pflanzen.

Die umweltschädlichen Einträge von Nährstoffen und Pflanzenschutzmittel in die Böden und ins Grundwasser sind immer noch zu hoch. Die Landwirtschaft ist außerdem verantwortlich für erhebliche Klimagasemissionen, wird auf der anderen Seite aber auch von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen sein. Sie trägt mit erhöhten Futtermittelimporten zur Verschlechterung der Klimabilanz bei, indem dafür zunehmend Flächen in anderen Kontinenten in Anspruch genommen werden.

Bei der Förderung von regenerativer Energie werden nach wie vor Nachhaltigkeitsaspekte zu wenig berücksichtigt. Der zunehmende Anbau von Energiepflanzen beansprucht viele wertvolle Flächen und tritt damit in Konkurrenz zur Lebens- und Futtermittelproduktion.

Durch den fortdauernden Verlust von Grünlandfläche und moorigen Standorten sowie der Vernichtung von unerwünschter Biomasse durch Herbizide wird die Chance vertan, die Landwirtschaft zu einer wichtigen Kohlenstoffsenke zu entwickeln.


Literaturhinweise:



... für die Bauern

Die derzeitige Agrarförderung dient vornehmlich der Einkommenssicherung großer Agrarbetriebe. Sie führt dazu, dass einige rationalisierte Betriebe umgerechnet bis zu 120.000 Euro je Arbeitskraft erhalten, während bäuerliche Betriebe nicht einmal ein Zehntel davon je Arbeitskraft bekommen. Viele kleinere Betriebe können ihre Kosten nicht mehr decken und sind gezwungen aufzugeben. Arbeitsplätze werden somit kontinuierlich vernichtet.

Darüber hinaus bekommen Bauern also immer weniger Geld für Ihre Leistung am Markt (Beispiel Milchkrise) und werden zum reinen „Rohstofflieferanten“ degradiert.

Leistungen, die die Bauern für Gesellschaft und Umwelt erbringen, werden dagegen nicht entsprechend honoriert. Der Abbau von Marktregeln in der EU (wie Mengenbegrenzungen) führt dazu, dass die Verhandlungsposition der Bauern in der Lebensmittelkette gegenüber nachgelagerten Stufen der Verarbeitung und des Handels weiter geschwächt wird.


Link zur Kurzfassung der EuroNatur-Studie "Arbeit und Einkommen in und durch Landwirtschaft", März 2007 (pdf-Datei, 352 Kb)




...für die Verbraucher

Die EU-Verbraucher zahlen für ihre Lebensmittel nicht nur direkt im Geschäft, sondern zusätzlich auch noch indirekt über ihre Steuern:

  1. Jedes Jahr werden 50-60 Milliarden Steuergelder dafür verwendet, vor allem die Agroindustrie in Europa zu unterstützen.
  2. Die Beseitigung negativer Effekte der Landwirtschaft auf Natur und Umwelt (z.B. Wasserverschmutzung durch Pestizide) bezahlen die Steuerzahler.

Der Tourismus leidet besonders in den Gebieten, in denen die traditionell geprägte Kulturlandschaft und wertvolle Naturlandschaften durch die Intensivlandwirtschaft verloren gehen. Ein Identitätsverlust der einheimischen Bevölkerung geht damit einher.

Genormte und standardisierte Ware ist keine Antwort auf die vielfältigen Wünsche und Bedürfnisse der VerbraucherInnen. Inhaltliche Qualität und auch die Qualität von Erzeugung und Verarbeitung bedarf der Förderung von dezentralen Strukturen und regionaler Verarbeitung. Somit würde auch ein Beitrag zur Schaffung eines ökonomischen Mehrwerts geleistet werden. Dieser wird jedoch zu Gunsten der Weiterentwicklung von größeren, industriell arbeitenden Strukturen immer weiter verdrängt.

Die Kennzeichnung von Lebensmitteln ist nach wie vor unzureichend. Der Verbraucher wird durch unwahre Packungsabbildungen getäuscht (siehe Milchpackung mit weidenden Kühen --> diese Milch stammt nicht von der Kuh auf der Weide). Die Wahlfreiheit des Verbrauchers setzt jedoch Transparenz bei der Kennzeichnung voraus. So ist es ihm nach wie vor meist nicht möglich die Herkunft und die Art der Herstellung des Produkts zu erkennen.


Link zur Kurzfassung der Studie „Umsetzung des neuen EU-Hygienepakets – Chance oder Problem für handwerkliche Fleischereien“, März 2009 (pdf-datei, 34 kb)

Link zum Bündnispapier "Eine andere Milchpolitik ist möglich und notwendig", September 2009 (pdf-Datei, 502 kb)




...auf den Tierschutz

„Der Tierschutz in der Nutztierhaltung ist bislang in der EU nicht als ein verbindliches Ziel der Gemeinsamen Agrarpolitik verankert. Das ist ein Grund, warum Bemühungen, in einzelnen Teilbereichen tierschutzrechtliche Mindeststandards einzuführen, so langsam vorankommen.

Im ökonomischen Wettlauf um weltweite Marktanteile werden Haltungs-, Transport und Schlachtbedingungen nicht dem Tierwohl angepasst, sondern den weltweiten Konkurrenzbedingen untergeordnet.

Die meisten Gelder aus der sogenannten ersten Säule der GAP gehen an hochindustrialisierte und spezialisierte Betriebe. Dort, wo auf engem Raum insbesondere die Geflügel- Schweine- und jetzt auch zunehmend die Milchviehaltung konzentriert wird, bleibt wenig Spielraum für eine artgerechte Tierhaltung.

Der außerdem damit verbundene Abbau dezentraler Strukturen führt dazu, dass die Tiere oft über lange Strecken transportiert werden müssen (Beispiel: Transport von jungen Kälbern aus Bayern zu einem Mastbetrieb in Spanien) und dabei erheblichen Belastungen ausgesetzt sind (was sich wiederum auf die Qualität des Fleisches auswirkt).



...auf die Entwicklungsländer

Die GAP fördert die einseitige Ausrichtung der Landwirtschaft auf Produktionssteigerung und Marktorientierung: ein Aspekt dieser Entwicklung ist die Massentierhaltung, die auf einen erheblichen Import von Futtermitteln, vor allem  Soja, angewiesen ist. Der Import  führt in den Produktionsländern zur Verdrängung von kleinbäuerlichen Familien, zu Landkonflikten und zur Regenwaldabholzung. Darüber hinaus erfolgt die Ausweitung des Sojaanbaus zu Lasten der Grundnahrungsmittelproduktion. Dadurch steigen in den Produktionsländern die Preise für  viele Lebensmittel, die sich eine zunehmende Zahl von Menschen nicht mehr leisten kann.

Die GAP fördert eine Landwirtschaft, die auf Masse und nicht Klasse ausgerichtet ist, weswegen es auch immer wieder zu erheblichen Produktionsüberschüssen kommt. Diese werden –durch Subventionen der EU gefördert - zu Dumpingpreisen unter anderem auch in Entwicklungsländer exportiert. Marktstörungen und negative Auswirkungen auf Kleinbauern in diesen Ländern werden dabei billigend in Kauf genommen.

Das Projekt wird koordiniert von

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